Erster Dax-Konzern tätigt FX-Forward-Geschäft mit Blockchain-Technologie

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Von Daniel Schütz

Erstmalig haben die Commerzbank und thyssenkrupp ein FX Forward-Geschäft unmittelbar über die neue Blockchain-Technologie abgebildet. Ein Forward-Geschäft ist das OTC (Over The Counter) Gegenstück zu einem Future-Kontrakt. Das Geschäft wird jedoch nicht an einer Börse gehandelt, wie der Future, sondern direkt zwischen dem Bankhaus und dem Kunden.

Bei einem “Forward” vereinbaren die Parteien, dass ein Vermögenswert, in diesem Falle ein Devisengeschäft (FX=Foreign Exchange), zu einem gewissen Zeitpunkt, zu einem gewissen Preis gehandelt, also ge- oder verkauft werden kann.

Die Besonderheit bei diesem Geschäft ist, dass dieses über die sogenannte Blockchain-Technologie abgewickelt wurde. Blockchain ist das Schlagwort, das oft im Zusammenhang mit Bitcoin, Ripple, Ethereum und den anderen “Krypto-Währungen” genannt wird. Dass diese Technologie durchaus ernstzunehmen und weitaus mehr als nur Bitcoin ist, zeigt die von thyssenkrupp und der Commerzbank am 23. Mai 2018 getätigte Transaktion.

Der Begriff Blockchain ist, wie so vieles in der Finanzindustrie, dem englischen entliehen. Es bedeutet Block-Kette. Gemeint ist damit, dass jede Transaktion, die über ein Blockchain-System getätigt wird, in einer Datenbank vermerkt wird. Diese Datenbank ist so aufgebaut, dass keine Einträge gelöscht werden, sondern neue Transaktionen immer an die bestehenden Datensätze angehängt werden. Wie bei einer Kette, bei der wieder ein neues Kettenglied angehängt wird.

Das besondere bei dieser Technologie ist, dass die Datenbank nicht auf einem einzelnen Server liegt, sondern jeder Nutzer eine komplette Kopie der Datenbank besitzt. Bevor ein neuer Datensatz an die Datenbank angehängt werden kann, gibt es verschiedene Prüfverfahren, die den Originalzustand der Datenbank sichern sollen. Erst wenn diese Prüfung erfolgreich ist, können neue Datensätze hinzugefügt werden. Dies soll die Technologie extrem leistungsfähig und fälschungssicher machen.

Die Effizienz dieses Systems kommt aus der Fälschungssicherheit selbst. Da das System erst erweitert werden kann, wenn der unverfälschte Zustand der Datenbank festgestellt wurde, entfallen Verwalter oder Personen, die eine Transaktion beglaubigen müssen, schlichtweg.

Damit ist das System prädestiniert für den Finanzsektor. Finanzdienstleistungen könnten schneller und kostengünstiger werden. Finanzdienstleister, wie Banken oder Broker können an Personal und IT-Infrastruktur einsparen. Deshalb wird auf diesem Gebiet auch fleißig geforscht. Denn trotz aller Vorteile gibt es noch einige Hürden zu überwinden. Gerade im Bezug auf Datenschutz, Speicherplatz, die Integration in bestehende Systeme und der Zugang zu Berechtigungssystemen stellen hier nur einige Schwachstellen dar.
Bei der vorliegenden Transaktion konnte dank der neuen Technologie auf eine manuelle oder auch halbautomatisierte Abstimmung zwischen Kunde und Bank verzichtet werden.
Gerade der Bestätigungsabgleich bindet hohe Ressourcen im Devisenhandel. Trittanbieterlösungen zur Transaktionsbestätigungen fallen damit weg.

Es war die erste FX-Forward-Transaktion, die über Blockchain abgebildet wurde. Sicherlich nur eine Pilottransaktion, aber sie bestätigt den Trend, in welchen sich die Finanzbranche bewegen wird. Um jedoch das volle Potential für beide Parteien ausschöpfen zu können, sind noch einige technische und regulatorische Weiterentwicklungen notwendig.

Der Leiter Corporate Finance, thyssenkrupp AG, Thomas Empelmann sagte, “Der Einblick in den Blockchain Prozess zeigt uns, wie man Marktteilnehmer in der Zukunft auf hoch sichere und effiziente Weise verbinden kann und dabei gleichzeitig Transaktionskosten durch die Vermeidung von externen Softwarelösungen reduziert. Der vereinfachte Prozess bei gleichzeitig maximaler Transparenz der Liquiditätsposition senkt dabei die Hürden für finanzielle Integration und lässt uns bestehende Prozesse neu überdenken.”.

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